Schutz- und Abwehr-Maßnahmen

Foto: I. Bartussek
 Was stellen Waschbären in der Stadt an?
 
Warum können in Stadtgebieten so viele Waschbären leben?
 
Was sollte man tun, wenn man in einer Waschbär-Gegend wohnt?
 
Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um das Haus zu schützen?
 
Was sollte man lassen?
 
Wie säubere ich eine Waschbär-Latrine?


Was stellen Waschbären in der Stadt an?

Belästigungen
Was als Belästigung empfunden wird, kann sehr verschieden sein. Wo sich manche Menschen über nächtliche Ruhestörungen durch unzumutbaren Lärm auf dem Dachboden oder gespenstisches Kratzen im Schornstein beschweren, sind andere geradezu begeistert von den Möglichkeiten, außerordentlich nahe, interessante und anrührende Beobachtungen eines Wildtiers machen zu können. Der eine nimmt eine umgeworfene Mülltonne, den verstreuten Inhalt eines aufgerissenen Gelben Sackes oder eine ausgegrabene Topfpflanze samt zerbrochenem Tontopf mit einem Seufzer hin, ein anderer regt sich vielleicht furchtbar darüber auf.

Wirtschaftliche Schäden
können von Kleinigkeiten bis hin zu Beträgen von zigtausenden Euro reichen. Da wären der erwähnte zerbrochene Tontopf und die eingeebnete Blumenrabatte, abgeerntete Kirschen, Pflaumen, Weintrauben oder Walnüsse etc. Im kommerziellen Obstbau und der Landwirtschaft verursachen Waschbären nur selten nennenswerte wirtschaftliche Schäden. Zur Reifezeit kann ein Feld mit Zuckermais, eine Kiwi-, Heidelbeer- oder Kirschplantage allerdings eine große Anziehungskraft auf die Waschbären der Umgebung ausüben. Auch Klein- und Federvieh, besonders Küken usw. müssen geschützt werden.

Gebäudeschäden
Die weitaus meisten Klagen beziehen sich auf Gebäudeschäden. Dachböden, Zwischendecken und Gartenschuppen werden von Waschbären so häufig aufgesucht, weil sie hervorragende Schlafplätze und Orte für die Jungenaufzucht darstellen. Die ersten Nutzungen finden wahrscheinlich dort statt, wo der Zutritt kein Problem bereitet. Kleine Öffnungen reichen aus, auch wenn sie sich im Dachbereich befinden und vom Hausbesitzer vielleicht gar nicht als Einschlupflöcher erkannt werden. War ein Waschbär erst ein paar mal drin, wird jeder folgende an geruchlichen Markierungen (für den Menschen nicht wahrnehmbar!) sofort erkennen, dass da ein Platz zu finden ist, der sozusagen schon geprüft und für geeignet befunden wurde – und dass es irgendwie möglich sein muss, hinein zu kommen! Außerdem gibt es nun Waschbären, die schon seit Generationen nur in der Stadt leben und die genau wissen, dass sich unter Dachziegeln beste Quartiere finden lassen. Schwachstellen werden dann gnadenlos ausgenutzt und wenn nötig auch vergrößert. Nicht verriegelte Dachluken, Dachziegel, Schornsteineinfassungen aus Blei, Weichholz, loses Mauerwerk oder Leichtbauwände bieten den Zähnen und Krallen eines Waschbären, der weiß was er will, nicht lange Widerstand!

Als ein Erbe des Waldlebens und der Benutzung (morscher) Baumhöhlen haben Waschbären – und besonders Mütter mit Nachwuchs – die Angewohnheit, das Innere der Höhle beständig auf ihre "Bausubstanz" hin zu überprüfen, sonst würde womöglich ein Absturz aus 20m Höhe drohen! Das Höhleninnere wird daher immer wieder mit Krallen, Zähnen, echten "Bärenkräften" und wahrer Inbrunst bearbeitet, sodass der Boden bald mit einer dicken, weichen Schicht aus Holzspänen ausgepolstert ist. Was diese Angewohnheit allerdings für Lehm- oder Leichtbauwände, Wärmedämmungen, morsche Holzbalken, Pappkartons (nebst Inhalt), offen verlegte Elektroleitungen usw. bedeutet, hat schon einigen Hausbesitzern die Tränen in die Augen getrieben und die Faust in der Tasche ballen lassen. Schwerwiegend können auch Folgeschäden sein, insbesondere wenn wegen verschobener Dachziegel Regenwasser eindringt.

Latrinen
Ein anderer Stein des Anstoßes sind die Latrinen. Zwar stellen sie – im Gegensatz zu oft geäußerten Behauptungen – kaum eine Geruchsbelästigung dar, aber manchmal sickert der Urin durch den Boden und erscheint als unschöner Fleck an der Decke des darunter liegenden Zimmers! Da der Ort wahrscheinlich mit Eiern des Waschbärspulwurmes infiziert ist, sollte er mit den unten beschriebenen
Vorsichtsmaßnahmen behandelt werden.

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Warum können in Stadtgebieten so viele Waschbären leben?

In einem reich strukturierten Stadtrandgebiet wie z.B. im  Nordwesten von Kassel finden Waschbären alle für sie lebenswichtigen Ressourcen. Es ist sogar ein regelrechtes Waschbären-Schlaraffenland! Überall Versteck- und Fluchtmöglichkeiten und Fressbares rund ums Jahr: Alles was ein Waschbär braucht, nur sehr viel mehr und besser als im Wald.

In Kassel-Harleshausen und Kassel-Kirchditmold schlafen tagsüber 39% der Waschbären auf Bäumen, 11% in Verstecken am Boden (z.B. Brombeergestrüpp) und 3% in Erdbauen. 43% der Schlafplätze liegen in Gebäuden. Dabei werden etwa zur Hälfte unbewohnte Gebäude (leerstehende Häuser, Garagen, Schuppen, Lagerhallen etc.) aufgesucht, zur anderen Hälfte sind sie auf dem Dachboden oder im Schornstein von ganzjährig bewohnten Häusern zu finden. Einige Waschbären bevorzugen nach wie vor die Schlafplätze draußen im Wald, pendeln aber jede Nacht auf Nahrungssuche in die Stadtrandgebiete. Wenn sie mal in der Stadt schlafen, wählen sie meistens einen Baum oder aber ein unbewohntes Gebäude. Andere Tiere haben sich voll und ganz auf das Stadtleben eingelassen und suchen sich dort auch das Tagesversteck, meistens in einem Gebäude. In 3% der Fälle wählen sie sogar einen Schlafplatz in der Kanalisation.

Im Wald gibt es lange Perioden, in denen das Nahrungsangebot äußerst karg ist. Wo Menschen leben, findet sich fast immer ein gedeckter Tisch: Regenwürmer auf frisch gemähtem Rasen, überreife Früchte von vernachlässigten Obstbäumen, üppige Reste von Fertiggerichten auf dem Komposthaufen oder im Müllcontainer usw. Dazu kommen Katzenfutternäpfe, die heimlich geleert und andere, die bewußt für die Waschbären hinaus gestellt werden. In einigen Fällen werden täglich so große Mengen an Brot, Haferflocken, Nüssen, Rosinen, Keksen und dergleichen Leckereien mehr verfüttert, dass dies sicherlich einen Einfluß hat auf die Anzahl an Waschbären, die in der unmittelbaren Nähe leben können.

Ganz offensichtlich sind es diese vom Menschen geschaffenen Strukturen und Bedingungen in den Vorstädten, die es den Waschbären ermöglichen, sie so zahlreich zu bevölkern. Sie treten dort z.T. in Populationsdichten auf, die im Wald völlig undenkbar wären: Während in den Wäldern des Solling zwei bis vier Waschbären pro 100 ha (=1km²) leben, sind es in Kassel auf der gleichen Fläche 50 bis 150! In einigen amerikanischen Großstädten ist die Situation ganz ähnlich und insofern ist das nicht ungewöhnlich.

Nur durch eine Verknappung der Nahrungsgrundlage ließe sich die Populationsdichte der Stadt-Waschbären nachhaltig reduzieren. Eine beträchtliche Anzahl von Waschbären findet aber in jedem Fall in der Stadt ihr Auskommen. Daher müssen Sie in einer “Waschbär-Gegend” wirksame Maßnahmen zum Schutz Ihres Hauses ergreifen.

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Was sollte man tun, wenn man in einer Gegend wohnt,
in der auch Waschbären leben?

Wenig Nahrung zur Verfügung stellen
Das Sinnvollste ist, die Nahrungsgrundalge der Waschbären knapp zu halten!
Dazu ein paar Tipps:

  • Nicht füttern.
  • Müll und Abfälle sollten Sie unzugänglich aufbewahren.
  • Sichern Sie Müll- und Biotonnen mit  starken Spanngummis
       und stellen Sie diese mindestens einen halben Meter entfernt vom Zaun
       oder einer Mauer  (= Auf- und Einstiegshilfen!) auf.
  • Stellen Sie Gelbe Säcke erst morgens heraus oder bewahren Sie sie in
       verriegelbaren Boxen auf.
  • Werfen Sie keine hochwertigen Speisereste (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot,
       Obst etc.) auf den Komposthaufen. Unproblematisch sind Garten- und Gemüsereste,
       Kartoffelschalen usw. Eventuell helfen stabile und verschließbare Schnellkomposter.
  • Hinterlassen Sie keine Nahrungsmittelreste in offen zugänglichen Abfallkörben in
       Parks, etc.
  • Füttern Sie Ihre Haustiere nicht draußen oder räumen Sie die Reste abends ins Haus.

    Grafik: I. Bartussek
  • Hochstämmige Obstbäume lassen sich durch eine etwa 1m hohe, glatte Metallmanschette, die keinerlei Haltemöglichkeiten bieten darf, schützen. Es dürfen aber keine Überstiegsmöglichkeiten von benachbarten Bäumen, einem Haus oder Schuppen bestehen.
     
  • Ernten Sie reifes Obst und Beeren und sammeln Sie Fallobst zusammen.









     
  • Das Haus sichern

  • Grafik: I. BartussekVerhindern Sie den Aufstieg aufs Dach durch glatte Blechmanschetten (1m hoch, 1m breit), die sich über die Fallrohre der Regenrinnen schmiegen.
    Foto: I. Bartussek
      Eine wirksame Blechmanschette
      an einem Haus in Kassel




    Grafik: I. Bartussek
  • Kürzen Sie Bäume und Sträucher, die an   oder über das Dach reichen, großzügig ein.




























     
  • Grafik: I. BartussekLassen Sie ein starkes Metallgitter auf dem Schornstein anbringen. Konsultieren Sie diesbezüglich Ihren Schornsteinfeger! Der kann Ihnen vielleicht sogar ein passendes Produkt empfehlen. Hier ist eine Schornsteinhaube abgebildet, die in Amerika in jeder besseren Eisenwarenhandlung zu bekommen ist.    Hierzulande müßte das wohl als Sonderanfertigung beim örtlichen Schlosser in Auftrag gegeben werden.




     
    In Deutschland wird von der
    Firma Ahrens ein aufklappbares "Dohlenschutzgitter" angeboten, das diesen Zweck erfüllen könnte.


  • Schließen Sie Einstiege konsequent und mit soliden Baumaterialien.
  • Schwer zu sichernde Häuser können mit einer Elektrozaun-Anlage ausgestattet werden.
  • Verschließen Sie nachts die Katzenklappen oder bauen Sie einen Vorbau, der nur
       springend, nicht kletternd überwunden werden kann.
  • Latrinen säubern
    siehe unten

    Haustiere impfen und entwurmen
    Lassen Sie Haustiere, die Kontakt mit Wildtieren haben können, gegen Tollwut und Staupe impfen, und entwurmen Sie sie regelmäßig.
    Mittel und Vorsorgeplan

    Die Waschbär-Tollwut ist in Amerika ein großes Problem, spielt aber in Europa bislang keine Rolle.

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    Wie säubere ich eine Waschbär-Latrine?

    Bestimmte Stellen, oft auf dem Dachboden, werden von mehreren Waschbären als “Toilette” benutzt. Der Kot in diesen Waschbär-Latrinen stellt eine Infektionsquelle mit den Eiern des Waschbär-Spulwurmes dar.
    Einzelheiten dazu finden Sie auf der Seite
    Waschbär-Spulwurm

    Auch wenn schwere Erkrankungen beim Menschen extrem selten sind, sollten Sie die Exkremente regelmäßig entfernen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Eine vollständige Beseitigung der Wurm-Eier werden Sie aber nicht erreichen. Beachten Sie beim Säubern einer Latrine folgende Vorsichtsmaßregeln:

  • Tragen Sie eine Staubmaske, Einweg-Handschuhe und Einweg-Überschuhe
       (Ersatz: Plastikbeutel).
  • Befördern Sie den Kot und eventuell anderes kontaminiertes Material vorsichtig in einen
       strapazierfähigen Müllbeutel. Verschließen Sie den Beutel mit einem Klebeband o.ä.,
       stecken Sie ihn in einen zweiten Beutel (doppelte Verpackung) und entsorgen Sie ihn
       über die Restmülltonne.
  • Benutzen Sie möglichst heißes Seifenwasser und einen feuchten Schwamm, um Reste
       aufzunehmen.
  • Spülen Sie mehrmals nach und kippen Sie das Wasser in die Toilettenspülung.
  • Zum Desinfizieren eignet sich nur kochendes Wasser und, wo möglich, eine offene
       Flamme (Dachdecker-Gasbrenner). Es gibt keine Chemikalien, die für diesen Zweck
       brauchbar wären.
  • Entsorgen Sie den benutzten Schwamm und die Einwegartikel in einem verschlossenen
       Plastikbeutel im Restmüll.
  • Benutzte Geräte (Schaufel, Wassereimer) mit kochendem Wasser desinfizieren.
  • Waschen Sie die Kleidung nach der Aktion möglichst heiß.
  • Waschen Sie sich selbst mit warmem Seifenwasser.
  • Halten Sie Kinder, insbesondere Kleinkinder, und Haustiere von Latrinen fern.
  • Diese Maßnahmen entsprechen weitgehend den Vorschlägen, die Sie auch in einem Merkblatt (pdf) der Santa Barbara County Animal Services (Karlifornien) nachlesen können.

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    Was sollte man unterlassen, wenn man in einer Gegend wohnt,
    in der auch Waschbären leben?

    Füttern
    Waschbären brauchen Ihr Futter nicht. Sie finden im Siedlungsgebiet mehr als genug! Futterzahme Tiere können dreist und sogar aggressiv werden. Wenn Sie regelmäßig größere Mengen füttern, vermehren Sie den Bestand an Waschbären und damit auch die Probleme, die es mit ihnen gibt. Sie tun damit weder sich noch Ihren Nachbarn einen Gefallen, aber auch den Waschbären nicht: Es gibt nur Verlierer!

    Fangen, töten, deportieren
    Es gibt viel zu viele Waschbären, um mit den zur Verfügung stehenden jagdlichen Mitteln im städtischen Umfeld eine nachhaltige Bestandsreduzierung zu bewirken, denn Waschbären können hohe Verlustraten durch vermehrte Fortpflanzung ausgleichen: Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Jungtiere kommen nach. Die vielen Jungtiere machen aber u.U. mehr Probleme als die Alten, und die Gefahr einer Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten wird durch die abwandernden Jungtiere erhöht statt vermindert. Ein Waschbär, den Sie z.B. im Kasseler Nordwesten fangen und “weg”bringen oder töten (lassen), ist nur einer von fünfzig, die bei Ihnen manchmal vorbei schauen. Wenn Sie ein Tier fangen, können Sie meist nicht einmal sicher wissen, ob es wirklich dasjenige ist, das bei Ihnen den Schaden verursacht hat und ohne einen wirklich triftigen Grund wäre es sowieso verboten.

    Vergrämen und vertreiben
    Lärm machen; Radio, Kassetten oder Ultraschallgeräte laufen lassen; Anleuchten; das ganze eventuell durch Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder steuern; Mottenkugeln, Pfefferstreu, mit ammoniakhaltigen Flüssigkeiten (WC- und Rohrreiniger) oder mit Hunde- bzw. Raubtier-Urin getränkte Lappen oder benutzte Babywindeln auslegen und dergleichen mehr.Das alles kann Ihnen viel Arbeit machen, der Erfolg wird sich – wenn überhaupt – nur kurzfristig einstellen, und im Endeffekt werden Sie sich selbst mehr gestört fühlen als die Waschbären.

    Die falschen Baumaßnahmen ergreifen
    Halbherzige Versuche, Aufstiegsmöglichkeiten zu verhindern und Einschlupflöcher zu schließen, können mehr Schaden verursachen als verhindern. Denn die Waschbären werden versuchen, die Einstiege mit Gewalt wieder zu öffnen oder andere Schwachstellen zu finden und damit neue Schäden verursachen.

     

    Dieser Stachelkranz ist als Abwehrmaßnahme gedacht.
    Für Waschbären stellt er aber eher eine willkommene Kletterhilfe dar!

    Waisenkinder aufpäppeln
    Es ist unverantwortlich,
    Findelkinder im Haus oder unter ungeeigneten Bedingungen
    aufzuziehen und später in der Stadt laufen zu lassen oder im Haus oder in einem
    Gehege zu halten.
    Kaufen Sie keinen Waschbären als
    "Haustier" - er ist keines und wird nie eines werden!

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