Der Waschbär-Spulwurm

 
 
Was ist eine Waschbär-Latrine?
 
Kann man die Eier des Waschbär-Spulwurmes sehen?
 
Wie lange geht von einem Latrinen-Platz eine Ansteckungsgefahr aus?
 
Wer kann sich mit dem  Waschbär-Spulwurm infizieren?
 
Was verurschacht die wandernde Larve in einem Fehlwirt?
 
Wie infiziert sich der Waschbär selbst?


Der Waschbär-Spulwurm

Waschbären können eine Vielzahl verschiedener Parasiten beherbergen. Aus menschlicher Sicht muß insbesondere der Waschbär-Spulwurm (Baylisascaris procyonis) kritisch betrachtet werden. Erkrankungen beim Menschen, der für den Wurm ein Fehlwirt ist, sind aber extrem selten. Daher besteht kein Anlaß zur Panik. Während Dreiviertel der westdeutschen Population den Waschbär-Spulwurm in sich trägt, fehlt dieser im brandenburgischen Verbreitungsgebiet. Offensichtlich waren die Tiere, die ursprünglich dorthin gebracht wurden, nicht damit infiziert.

Waschbär-Latrinen
Waschbären haben die Angewohnheit, bestimmte Stellen bevorzugt als "Toilette" zu benutzen. Da diese Stellen von mehreren Waschbären über einen langen Zeitraum immer wieder aufgesucht werden, bilden sich regelrechte Latrinen. Diese befinden sich meist auf erhöhten Stellen: Im Wald auf einem dicken Ast eines Baumes, auf einem Felsen oder aber auch am Stammfuß eines großen Baumes. Im Siedlungsgebiet findet man Latrinen häufig auf Dachböden, Brennholzstapeln und dergleichen. Dieser Kot stellt eine Infektionsquelle mit den Eiern des Waschbär-Spulwurmes dar. Halten Sie deshalb Kinder, insbesondere Kleinkinder und Haustiere von Latrinen fern!

Obwohl die Gefahr schwerer Erkrankungen gering ist, sollten Sie die Exkremente regelmäßig entfernen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Beim Säubern einer Waschbär-Latrine sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Einzelheiten dazu finden Sie auf der Seite
Maßnahmen.

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Die Gefahr ist unsichtbar
Mehr als 200 ausgewachsene Waschbär-Spulwürmer können im Darm ihres Wirtes leben. Meist leidet der Waschbär selbst kaum darunter. Aber mit dem Kot scheidet er täglich Millionen von Eiern aus. Diese sind mikroskopisch klein, und bleiben dem menschlichen Auge daher verborgen.

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Infektiöse Larve im Ei
In den vorerst noch harmlosen Eiern entwickeln sich innerhalb von 2 - 4 Wochen ansteckungsfähige Larven. Von einem einmal mit Eiern verseuchten Ort geht aber für viele Jahre eine Infektionsgefahr aus.

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Zwischenwirte
Als Zwischenwirte fungieren überwiegend kleine Tiere, die auf dem Speiseplan des Waschbären stehen: Vor allem Nagetiere (Mäuse, Kaninchen, Eichhörnchen usw.) sowie Vögel. Auch Hühner, Meerschweinchen und einige andere Haustiere können befallen werden. Wenn diese Tiere Eier des Waschbär-Spulwurmes aufnehmen, schlüpfen die Larven aus der Eihülle, durchdringen die Darmwand und gelangen in verschiedene Organe und Körpergewebe, wo sie meist eingekapselt werden. Im Nervensystem können sie schwere, häufig sogar tödliche Krankheitserscheinungen verursachen: Lethargie, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Schädigungen der Augen und des Gehirns, Koma. Schweine, Schafe, Ziegen und Katzen scheinen für den Waschbär-Spulwurm wenig empfänglich zu sein und können, da sie sowieso von einem Waschbären nicht gefressen werden, nur als Fehlwirte bezeichnet werden.

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Larva migrans: Die wandernde Larve im Fehlwirt
Auch in einem Fehlwirt wie dem Menschen können die Larven des Waschbär-Spulwurms in verschiedene Körpergewebe und Organe eindringen. Dazu müssen aber zuerst sehr große Mengen infektiöser Eier mit dem Mund aufgenommen werden. Das bedeutet besonders für Kleinkinder eine Gefahr, wenn sie mit Waschbärexkrementen oder damit verunreinigten Materialien in Berührung kommen. Grundsätzlich sollten aber alle Menschen vorsichtig sein, die intensiv mit Waschbären zu tun haben: Jäger, Förster, Waldarbeiter, Beschäftigte in der Pelzindustrie, Präparatoren, Tierpfleger, Hobby-Waschbärenhalter und Hausbesitzer mit regem Waschbärbesuch auf dem Dachboden oder im Garten. 
Auch wenn Eier aufgenommen wurden, treten offenbar meistens keine Krankheitssymptome auf oder aber nur schwache und unspezifische (Fieber u.ä.). Das Risiko einer schweren Infektion wird als sehr gering eingestuft, und es bedarf eines beträchtlichen Kontaktes mit Waschbärkot, um tatsächlich eine Krankheit auszulösen. Selbst in den USA wurden bisher nur einige einzelne Fälle bekannt, in denen auch beim Menschen (fast alle waren Kleinkinder) schwere Erkrankungen des Zentralnervensystems mit Todesfolge auftraten. Anzeichen einer Infektion können nach einigen Tagen oder aber erst nach Wochen zu erkennen sein. Medikamente zur Behandlung gibt es nicht.
Übrigens: Auch die Larven von Hunde- und Katzen-Spulwürmern können derartige Krankheiten auslösen.

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Der Kreis schließt sich
Eine Neu-Infektion eines Waschbären erfolgt durch den Verzehr eines mit Larven befallenen Zwischenwirtes oder die direkte Aufnahme von infektiösen Eiern. Der direkte Weg ist wahrscheinlich eher die Ausnahme, spielt aber möglicherweise bei Gehegetieren eine größere Rolle. Nur im Waschbär entwickeln sich ausgewachsene Würmer.

Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Waschbär-Latrinen auf der Seite Maßnahmen
 

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